Deutschland
Debanking gegen unabhängigen Journalisten
Ulrich Heyden nach über 30 Jahren das Konto gesperrt
(27. März 2026) (CH-S) Ulrich Heyden ist einer der wenigen unabhängigen deutschen Journalisten, der aus Russland berichtet. Seine Position ist eigenständig und deshalb kritisch. Er arbeitet seit vielen Jahrzehnten in Russland und kann durch seine Sprachkenntnisse, seine persönlichen Verbindungen, seine Erfahrung und seine umfangreichen Kenntnisse über Land und Leute seinen Lesern im deutschsprachigen Raum hochwertige Berichte, Reportagen bzw. Analysen präsentieren (https://ulrich-heyden.de). Das ist einer der Gründe, warum Ulrich Heyden auch im «Schweizer Standpunkt» ein gern gesehener Referent ist.
Screenshot von RT DE
vom 20.3.26)
Nun kündigt ihm die «Hamburger Sparkasse» sein Konto, dass er seit Anfang der 1990er Jahre dort führt und über das er einen Teil seiner Einkünfte generiert. Das ist nicht das alleinige Verschulden dieser Sparkasse, sondern der blinde Nachvollzug willkürlicher Vorgaben der deutschen Regierung und der EU. Sein Fall ist kein Einzelfall. Er spiegelt den Verfall eines Rechtsstaates hin zu einer Willkürherrschaft. Nachstehend finden Sie den offenen Brief von Ulrich Heyden an den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.
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Moskau, 13. März 2026
Sehr geehrter Herr Bundespräsident
Frank-Walter Steinmeier,
ich bin Russland-Korrespondent und schreibe ihnen, weil ich seit heute von einer Kontokündigung betroffen bin. Diese Massnahme ist nicht nur geeignet meine Existenz zu zerstören, sie widerspricht auch den Grundsätzen der Demokratie und der Pressefreiheit. Ich bitte Sie, sich dafür einzusetzen, dass die Kontokündigung rückgängig gemacht wird.
Mein Konto bei der Hamburger Sparkasse habe ich seit Anfang der 1990er. Am Telefon erklärte mir gestern ein Mitarbeiter der Sparkasse, die Kündigung habe mit den EU-Sanktionen gegen Russland zu tun. Der Mitarbeiter meinte, ich würde in einem «Hochrisiko-Land» leben.
Wenn ich in einem «Hochrisiko»-Land lebe, müsste die Bundesregierung und die EU-Kommission mich dann nicht unterstützen? Stattdessen wirft man mir Knüppel zwischen die Beine.
In dem Kündigungsschreiben, das ich heute erhielt, ist nur die Rede von einer «Überprüfung» aller unserer «Geschäftsverbindungen zu Kunden, die ihren Wohnsitz in Russland haben». Konkrete Vorwürfe gegen mich werden nicht erhoben.
Ich bin nicht der erste, in Russland lebende deutsche Journalist, der von einer Kontokündigung betroffen ist. Vor mir wurde schon meinen Kollegen Thomas Röper und Alina Lipp die Konten gekündigt und damit die Existenzgrundlage entzogen.
Dass man ausgerechnet uns drei für Kontokündigungen auswählt und nicht die Moskau-Korrespondenten der «Zeit», der «Frankfurter Allgemeine Zeitung», des ZDF und der ARD liegt auf der Hand. Wir drei berichten über Russland mit Verständnis und nicht mit Schaum vor dem Mund. Doch Verständnis passt nicht zu der von der Bundesregierung geforderten Kriegsertüchtigung.
Wie geht das an, Herr Steinmeier? Projekte russischer Oppositioneller und Journalisten, die in Deutschland leben, werden durch Förderprogramme des Auswärtigen Amtes unterstützt und ein deutscher Journalist, wie ich, der in Moskau lebt und seit 34 Jahren für deutsche Leser und Radiohörer, Informationen und Hintergrundberichte aus Russland, der Ukraine und Zentralasien und dem Kaukasus liefert, wird die Existenzgrundlage entzogen?
Ich lebe ausschliesslich von Einkünften deutscher, Schweizer und österreichischer Medien, die ich auf meinem Konto bei der Hamburger Sparkasse sammelte. In den letzten zwei Jahren liess die Hamburger Sparkasse online-Überweisungen nach Moskau schon nicht mehr zu, mit der Begründung, sie sei eine «Regionalbank».
Ich werde in diesem Jahr 72 Jahre alt. Was soll ich meinem Grossonkel, Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld, sagen, wenn ich ihn im Himmel treffe? Er wurde im September 1944 in Berlin-Plötzensee als Widerstandskämpfer gegen das Hitler-Regime mit einer Drahtschlinge ermordet. Ich trage meinen Vornamen zu seinen Ehren. Was wird mein Grossonkel sagen? Er wird sagen, dass es Mord und Terror gegen Andersdenkende auch in der Nazizeit gab, und dass er sich nicht hätte vorstellen können, dass sich so etwas in Deutschland wiederholt.
Zu meiner Person: Zehn Jahre lieferte ich als freier Mitarbeiter Radio-Features zu Russland-Themen für den Deutschlandfunk. 13 Jahre war ich Moskau-Korrespondent der «Sächsischen Zeitung». 30 Jahre berichtete ich für die Wochenzeitung «Der Freitag». Ausserdem schrieb ich für den «Tagesspiegel», den «Rheinischen Merkur», die «Financial Times», die «Märkische Allgemeine», die «Thüringer Allgemeine» und die «Mittelbayerische Zeitung». Heute arbeite ich für die Nachdenkseiten und andere deutsche Internetportale. Ich bin Autor mehrerer Bücher zu den Themen Russland, Ukraine und deutsche Nachkriegsgeschichte. 2024 erschien von mir im Promedia-Verlag das Buch «Mein Weg nach Russland. Erinnerungen eines Reporters».
Mit freundlichen Grüssen
Ulrich Heyden
Mail: heyden@list.ru, Telefon: +7 916 165 25 50
| * Ulrich Heyden berichtet seit 1993 aus Russland. Er sieht sich als Journalist, der abbildet, was er in Russland und den Nachbarstaaten sieht und erlebt. Er möchte weder positive noch negative Erwartungen bedienen, sondern Realität liefern. (https://ulrich-heyden.de/page/1) |
Erstveröffentlichung: https://overton-magazin.de/top-story/kontosperrung-in-deutschland-weil-ich-als-russland-korrespondent-in-einem-hochrisikoland-lebe/, 14. März 2026