Eine Reise nach Moskau – im Dienste der Volksdiplomatie
von Anita Meyenberger
(20. Februar 2026) Der Verein Eurasien hatte «aufrechte Schweizer» zur Dialogreise für den Frieden nach Moskau eingeladen, um von Bürgerseite diplomatisch zu wirken. Am 24. Januar trafen sich die Teilnehmer am Flughafen Kloten bei Zürich, um die Reise anzutreten. Tickets von «Turkish Airlines» für den Flug über Istanbul nach Moskau, ein elektronisches Visum für Russland, die Hotel-Reservation und eine Metro-Karte schafften die materiellen Voraussetzungen für die Durchführung der Reise – die Kosten waren es den Teilnehmern wert. Rubel konnten erst in Moskau erworben werden.
Reiseleiter Vital Burger, Präsident des Schweizer Vereins Eurasien, hatte keine Mühe gescheut, um das Anliegen der Reisegruppe verwirklichen zu können: Die bösen Geister zwischen den Völkern der Schweiz und Russlands vertreiben. Im Gepäck führte er grössere und kleinere Kuhglocken, die Trycheln, ein Banner mit schweizerischem und russischem Wappen und der Inschrift «Freundschaft mit Russland» in Russisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch sowie eine grosse Anzahl weisser «Sennechutteli» mit dem Aufdruck «Freundschaftstrychler Schweiz» mit. Mit den Trycheln werden in der Schweiz der Winter oder die bösen Geister vertrieben. Damit sollte in Russland ein Zeichen gesetzt werden, um, wie Vital Burger das Ziel formulierte «den Pfad der unsäglichen Sanktionen zu verlassen und konstruktiv an einer Verbesserung der Beziehungen zwischen unseren Völkern zu arbeiten. […] Bringen wir das Haus Eurasien wieder in Ordnung.»
Herzliches Willkommen
Vom Flughafen Vnukovo erfolgte der Transfer zum Hotel durch das nächtliche Moskau im Bus, vorbei am hell beleuchteten Bolschoi-Theater, dem Kreml und weihnächtlich geschmückten Strassen und Brücken. Am nächsten Morgen erklangen ein erstes Mal die Trycheln durch das Hotel als Begrüssung einer Gruppe von Moskowiterinnen in ihren festlichen russischen Trachten. Sie begrüssten die Schweizer Reisegruppe ihrerseits mit einer traditionellen russischen Zeremonie: Sie boten Salz als Symbol der Genügsamkeit und des Friedens dar und luden dazu ein, das ebenfalls dargebotene Brot zu brechen und es mit Salz zu bestreuen, dies als Zeichen einer lebenslangen Freundschaft. Auch der gemeinsame Tanz nach Klängen russischer Volksmusik wirkte verbindend.
Besuch der Schweizer Botschaft
Am 26. Januar bot sich für die Reisegruppe aus der Schweiz die Gelegenheit, den Botschafter der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Moskau, Jürg Burri, persönlich zu begrüssen. Wie 31 andere neu ernannte Botschafter hatte er am 15. Januar 2026 dem russischen Präsidenten Vladimir Putin sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Auch vor dem Treffen mit Herrn Burri kamen die Trycheln zum Einsatz: Starke Frauen und Männer trugen sie in der klirrenden Kälte von der Metro-Station Chistye Prudy durch die Strassen zur Schweizer Botschaft an der Per. Ogorodnaya Sloboda. Erstaunte und auch erfreute Moskauer Passanten konnten beobachtet werden.
Herr Burri empfing die Delegation in seiner Residenz. Er erklärte seine Arbeitsweise und die Aufgaben des Botschafters. Anschliessend konnten ihm die Teilnehmer ihre Anliegen vortragen – im Wesentlichen die Wiederbelebung des Dialogs zwischen Russland und der Schweiz und die Stärkung der schweizerischen Neutralität. Dies war auch in einem Brief verdeutlicht, den eine Teilnehmerin vorlas und dem Botschafter überreichte. (s. Kasten).
Sehr geehrter Herr Botschafter Burri
Wir stehen hier als Vertreter einer Schweizer Bevölkerungsgruppe, die es ernst meint mit der Neutralität. Sie versteht darunter die Bereitschaft, in Konfliktsituationen beiden Parteien mit Respekt zu begegnen, ihre Sorgen und Wünsche anzuhören, und Wege zur Verständigung zu suchen.
Sie ist der Überzeugung, dass das russische Volk einen integralen Bestandteil der europäischen Völkergemeinschaft bildet und nicht davon ausgeschlossen werden darf. Sie anerkennt die Bemühungen der russischen Führung von Gorbatschov bis Putin um eine stabile, gesamteuropäische Friedensordnung und bedauert zutiefst, dass dieser bisher kein Erfolg beschieden war.
Nun wünschen wir, dass die für Russlands Schicksal Verantwortlichen die Hoffnung auf Entspannung und auf einen solidarischen Neubeginn nicht aufgeben. Sie, Herr Botschafter, bitten wir, dazu nach Möglichkeit beizutragen.
Wir wünschen Ihnen in Moskau eine glückliche Zeit.
Moskau, 26-1-2026. Die Delegation des Vereins Eurasien
Verantwortlicher der gesamten Produktion
von «EkoNiva», grösster Rohmilchproduzent der
Russischen Föderation und Europas, beeindruckten
die Besucher.
Botschafter Burri äusserte später, seine Mitarbeiter seien nicht hier, um nur zu beurteilen, sondern um zuzuhören – eine Haltung, die sicher zur Verständigung beiträgt. Dass er seine Schweizer Landsleute empfing und ein offenes Gespräch mit ihm geführt werden konnte, wurde von den Teilnehmern der Reisegruppe sehr geschätzt.
Es erstaunt sicher nicht, dass der Botschafter nicht in allen Punkten mit den Besuchern einig ging, doch war es ein friedlicher, wertschätzender Austausch – gerade in der heutigen Zeit sehr wertvoll.
Auch die «andere Seite» anhören und ernst nehmen
Teilnehmer berichteten vom Besuch einer Ballett-Aufführung für Kinder in der Konzerthalle des Staatlichen Kremlpalastes, Führungen in der «Staatlichen Tretjakov-Galerie» und dem «Museum der Geschichte des Grossen Vaterländischen Krieges» als kulturelle und historische Höhepunkte der Woche. Auch der Besuch einer Niederlassung von «EkoNiva», dem grössten Rohmilchproduzenten der Russischen Föderation und Europas mit dem Schweizer Ramon Schenk in leitender Position, beeindruckte die Besucher.
Die Teilnehmer hatten die Gelegenheit, an informativen Seminaren teilzunehmen. Der Abend mit Vladimir Kotenev, ehemaliger Geschäftsträger der russischen Botschaft in Bern von 1997–2001 und ehemaliger Botschafter Russlands in Berlin von 2004–2010, ermöglichte vertiefte Einblicke in die Geschichte der aktuellen politischen Situation aus russischer Sicht.
Die einwöchige Reise bestärkte die Teilnehmer in ihrer Haltung, dass in Konfliktsituationen immer beide Seiten angehört und ernst genommen werden müssen. Nur so kann wieder ein Weg zum Frieden gefunden werden.