«Weltfrieden ist in der Tat möglich»

Friedensnobelpreis 2026 an Navanethem Pillay

(30. Oktober 2026) (CH-S) Alfred de Zayas, Professor für Internationales Recht und Geschichte und Mitglied des «Schweizer Neutralitätsrates»,1 würdigt in seinem Brief an das Nobelpreiskomitee in Oslo die diesjährige Verleihung des Friedensnobelpreises.

Alfred de Zayas. (Bild zvg)

Mit der Wahl der Preisträgerin sei ein notwendiger Schritt zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der Auszeichnung getan.

* * *

An das Nobelpreiskomitee
Henrik Ibsens gate 51
0255 Oslo, Norwegen
postmaster@nobel.no

Genf, 12. Oktober 2026

Betreff: Navi Pillay

Sehr geehrte Mitglieder
des Friedenspreiskomitees

Der Schweizer Neutralitätsrat begrüsst Ihre kluge Entscheidung, den Friedensnobelpreis 2026 an Richterin Navanethem Pillay2 zu verleihen, die in der Tat eine Verfechterin des Friedens und der Menschenwürde sowie eine Verfechterin der Zivilisation ist.

Navi Pillay. (Bild wikipedia)

Die diesjährige Auszeichnung ehrt nicht nur Navi Pillay, sondern auch all jene, die Diplomatie der Konfrontation vorziehen, die das Völkerrecht als Grundlage einer zivilisierten Gesellschaft fördern, die sich für Frieden und Versöhnung in der Welt einsetzen und die an Menschenrechte für alle glauben – ohne Privilegien und Doppelmoral.

Wir betrachten den Friedensnobelpreis als den wichtigsten aller Nobelpreise, da er nicht nur individuelle Leistungen und Errungenschaften würdigt, sondern jene menschlichen Werte, die die Zivilisation stützen. In der Tat ist Frieden jenes grundlegende Menschenrecht, das es uns ermöglicht, andere bürgerliche, kulturelle, wirtschaftliche, politische und soziale Rechte zu geniessen. Weltfrieden ist in der Tat möglich. Zweifellos wollen die Völker Frieden. Leider wollen manche Regierungen Krieg, weil der militärisch-industrielle-finanzielle-mediale-digitale Komplex von Konflikten profitiert.

Der Friedensnobelpreis beruht auf einer Denkweise, die über den Materialismus hinausgeht und die Spiritualität der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bekräftigt. Alfred Nobels Testament sieht vor, dass der Friedensnobelpreis verliehen wird: «an die Person, die am meisten oder am besten dazu beigetragen hat, die Brüderlichkeit unter den Nationen zu fördern, stehende Heere abzuschaffen oder zu verringern sowie Friedenskongresse einzurichten und zu fördern.»

Leider wurde der Friedensnobelpreis – wie wir von internationalen Kommentatoren und der brillanten Analyse des norwegischen Juristen Fredrik Heffermehl in seinem Buch «The Real Nobel Peace Prize, A Squandered Opportunity to Abolish War» wissen – nach und nach in einer Weise politisiert, die mit Nobels Testament unvereinbar ist, und in den vergangenen Jahren an Personen verliehen, die als Kriegstreiber bezeichnet werden können. Dies war eine besorgniserregende Entwicklung.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Navi Pillay ist ein notwendiger Schritt zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der Auszeichnung, und wir gratulieren Ihnen zu dieser Entscheidung.

Mit freundlichen Grüssen

Alfred de Zayas
Prof. em. Dr. iur. et phil.

www.alfreddezayas.com
https://dezayasalfred.wordpress.com/
http://www.extempore.ch

* Alfred de Zayas ist Professor für Völkerrecht an der Genfer Hochschule für Diplomatie und war von 2012–2018 unabhängiger Experte der Vereinten Nationen für die Förderung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung.
Er ist Vorstandsmitglied des Genfer Internationalen Friedensforschungsinstituts  GIPRI. Er ist Autor von zwölf Büchern, darunter «Building a Just World Order» (2021), «Countering Mainstream Narratives» (2022) und «The Human Rights Industry» (Clarity Press, 2021).

1 Neutralitätsrat – Die Schweizer Stimme des Völkerrechts: Der Neutralitätsrat besteht aus zwölf Experten des Völkerrechts, der Neutralität, der Geschichte, der Wirtschaft, der Politik, der Verteidigung und der Medien. Er nimmt in wissenschaftlichen Berichten periodisch Stellung zu völkerrechtlich relevanten Themen. Er äussert sich neutral und auf der Basis des geltenden Völkerrechts. Der Neutralitätsrat wird logistisch und finanziell unterstützt von der «Bewegung für Neutralität» (bene.swiss). Er ist unabhängig, arbeitet ohne Weisung und entscheidet im Konsens. (https://neutralitaetsrat.ch)

2 Navanethem «Navi» Pillay, geboren 1941 in Durban (Südafrika), ist eine südafrikanische Juristin, Menschenrechtsexpertin und Trägerin des Friedensnobelpreises 2026. Sie gilt als Pionierin im Kampf gegen die Apartheid und für das internationale Völkerrecht:

1967 eröffnet sie eine eigene Anwaltskanzlei, in der sie politische Gefangene und Opfer des Apartheid-Regimes verteidigt. 1995 wird sie nach dem Ende der Apartheid zur ersten nicht-weissen Richterin am High Court von Südafrika ernannt. Von 1995–2003 ist sie Richterin und Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda (ICTR). Hier prägte sie das historische Urteil, das systematische Vergewaltigung im Krieg als Tatbestand des Völkermords anerkannte. Von 2003–2008 ist sie Richterin in der Berufungskammer des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag. Von 2008–2014 wird ihr die Leitung des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte (OHCHR) anvertraut, wo sie weltweit vehement gegen Diskriminierung, Folter und für den Schutz von Minderheiten eintritt. Von 2021–2025 amtet sie als Vorsitzende der unabhängigen UN-Kommission zur Untersuchung von Völkerrechtsverletzungen im besetzten palästinensischen Gebiet und in Israel.

Zurück