F-35-Deal

Zuerst alle angelogen, dann mit Direktorenposten belohnt

Der US-Bomber-Deal wirft immer mehr Fragen auf

von Urs P. Gasche*

(25. September 2026) Wenn hohe Beamte lukrative Posten in der Privatwirtschaft anstreben, sorgen sie dafür, sich beim gewünschten Unternehmen beliebt zu machen.

Urs P. Gasche
(Bild infosperber)

Ein exemplarischer Fall ist Darko Savic. Bis vor kurzem war er der «Mister Kampfjet» im Eidgenössischen Departement für Verteidigung (VBS). Er war dort Projektleiter des F-35-Beschaffungsprogramms.

Savic hatte mit den USA verhandelt, kannte alle Details des Kaufvertrags und hat diesen mitunterzeichnet. Trotzdem log er seine Vorgesetzten gleich doppelt an:

1. Der Kaufpreis sei fix.

2. Für die Betriebskosten gebe es einen Mehrjahresvertrag bis 2040. Falls der Unterhalt teurer käme als vereinbart, müssten die USA dafür geradestehen.

Dank der Unwahrheit mit Kosten von «höchstens 6 Milliarden Franken»,1 die auch Bundesrätin Viola Amherd verbreitete, hatte das Schweizer Stimmvolk der Beschaffung von Kampfflugzeugen mit einer hauchdünnen Mehrheit von 50,1 Prozent der Stimmen zugestimmt.Eigentlich müsste die Abstimmung wiederholt werden.

Die Pilatus AG und Savic sind die Gewinner

Wer sich ins Fäustchen lacht, sind die Pilatus Flugzeugwerke AG. Denn die Fabrik in Stans profitiert von lukrativen Kompensationsgeschäften.2 F-35-Hersteller Lockheed Martin verpflichtet sich, 60 Prozent des Vertragswerts – umgerechnet rund drei Milliarden Dollar – über Aufträge und Kooperationen mit Schweizer Firmen zu kompensieren. Mindestens 20 Prozent davon müssen direkt mit der F-35-Beschaffung zusammenhängen.

Im April 2025 gab Armasuisse bekannt, dass ein Offset-Projekt zwischen Pilatus und Lockheed Martin genehmigt wurde: Pilatus erhält Zugang zu F-35A-Technologie von Lockheed Martin,3 um gemeinsam ein hochmodernes Pilotenausbildungssystem der nächsten Generation zu entwickeln – aufbauend auf dem eigenen Trainingsflugzeug PC-21.

Dank diesem Know-how soll Pilatus künftig eigenen Kunden – also Luftwaffen weltweit, die den F-35 oder andere Kampfjets der fünften Generation betreiben – massgeschneiderte Trainingslösungen anbieten können.4 Das verschafft Pilatus neue Verkaufschancen für die PC-21-Plattform.

Darko Savic erhielt Direktorenposten

Den Mann, der den F-35-Deal eingefädelt und Bundesrat und Öffentlichkeit angelogen hat, um mit einer erfolgreichen Volksabstimmung den Deal zu besiegeln – diesen Mann haben die Pilatus-Werke mit einem lukrativen Direktorenposten belohnt. Er ist nun «Director Program Management Business Aviation» bei Pilatus Aircraft Ltd. Savic verliess das VBS per Ende April 2025 und trat seinen Posten bei Pilatus am 1. Juni 2025 an.

Von einer längeren Karenzzeit für Spitzenbeamte wollte das Parlament nie etwas wissen. Sie dürfen weiterhin sofort eine Stelle bei einem Unternehmen antreten, das sie vorher zu beaufsichtigen oder zu reglementieren hatten.

Etliche Länder verhindern diese folgenschwere Art von Interessenkonflikten. Frankreich hat die Karenzzeit (cooling-off period) für den Wechsel von Spitzenpolitikern und hochrangigen Beamten in die Privatwirtschaft («Pantouflage» genannt, auf Deutsch «Drehtüreffekt») auf drei Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Amt festgelegt.5 Überwacht und durchgesetzt wird diese Regelung von einer unabhängigen Verfassungsbehörde, der Haute Autorité pour la transparence de la vie publique.6

* Urs Paul Gasche, geboren 1945 in Basel, ist ein Schweizer Journalist, Publizist und ehemaliger Fernsehmoderator. Von 1986 bis 1996 leitete und moderierte er die Konsumentenschutz-Fernsehsendung «Kassensturz». Zuvor war er Chefredaktor der «Berner Zeitung». Heute ist U. P. Gasche freier Publizist und Redaktor der Internet-Zeitung «Infosperber». Er ist Präsident der Schweizerischen Stiftung zur Förderung unabhängiger Information (SSUI) sowie Autor mehrerer Bücher.

Quelle: https://www.infosperber.ch/politik/f-35-zuerst-alle-angelogen-dann-mit-direktorenposten-belohnt/, 14. September 2026  

1 Hier stand zuerst «die Unwahrheit mit dem Fixpreis». In der Abstimmungsvorlage war von «höchstens 6 Milliarden Franken» die Rede. Unterdessen würden die 36 F-35 Kampfjets 7,7 Milliarden kosten. Falls nur 30 Stück: 6,4 Milliarden.

2 https://www.vbs.admin.ch/en/newnsb/gZUMF2YH2Hq4MCiG-TSec

3 https://www.ar.admin.ch/de/nsb?id=104743

4 https://skynews.ch/startseiten-news/pilatus-bekommt-f-35-know-how-fuer-kuenftige-trainer/

5 https://publicmatters.nl/en/actueel/over-draaideuren-pantouflage-franse-regels-voor-lobbytransparantie/

6 https://www.hatvp.fr/en/

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